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1.1.1970 -

Dirigent für Harmonie in der Überseestadt

Überseestadt

Zwischen Wohlklang und schiefen Tönen: Warum die WFB so wichtig für die Entwicklung der Überseestadt ist

„Eine einmalige Chance für Bremen, die gelingen wird.“ Die Überseestadt Bremen ist eines der Lieblingsprojekte von Andreas Heyer. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH erzählt im Interview, welche Rolle die WFB bei der Entwicklung des Ortsteils spielt und warum das „Orchestrieren“ aller Akteure die größte Herausforderung ist. 

Andreas Heyer
Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH © WFB / Frank Pusch

Inwiefern begleitet die WFB die Entwicklung der Überseestadt? 

Wir haben den Auftrag vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, die Entwicklung federführend zu begleiten und sind als Geschäftsführung des Sondervermögens Überseestadt bestellt. Zusätzlich haben wir – vergleichbar mit der Airport-Stadt – den Auftrag für die Erschließung der Überseestadt als auch für die Vermarktung der Flächen bekommen. Über uns laufen sämtliche Fäden zusammen, wir koordinieren das Projekt in Abstimmung mit dem Wirtschaftsressort und dem Senator für Bau, Umwelt und Verkehr und führen alle Beteiligten enger zusammen.

Welche Partner, Institutionen und Interessen müssen dabei berücksichtigt werden?

Es sind drei Ebenen, die dabei beachtet werden müssen: Erstens arbeiten wir eng mit den Fachressorts zusammen, insbesondere Wirtschaft und Bau. Zweitens agieren wir auf der politischen Ebene, die Überseestadt ist ein Ortsteil von Walle, wir arbeiten eng mit dem Beirat zusammen, tauschen Informationen aus. Und dann ist da noch die Ebene der operativ Tätigen: die traditionelle Industrie und Hafenwirtschaft sowie die neuen Unternehmen, die sich dort ansiedeln. Zwei Mitarbeiter der WFB kümmern sich ausschließlich um die Überseestadt, sie sind die Hauptansprechpartner für die Unternehmen. Außerdem sind weitere WFB-Abteilungen involviert, wie Erschließung/Hochbau und auch das Standortmarketing. Letztendlich ist das Gesamtsystem WFB mit all seinen Kompetenzen in die Entwicklung der Überseestadt involviert. 

Arbeitsplätze vs. Wohnraum: Wie schafft man es, die richtige Balance zwischen Wohnen und Arbeiten zu finden? 

Es gibt einen Masterplan für die Überseestadt mit einer klaren Vorstellung für das Zusammenspiel von Altbestand, Gewerbe und Wohnen. Aber die Welt verändert sich, zum Beispiel war das Thema Wohnen vor 15 Jahren lange nicht so wichtig wie heute. Der Bedarf an Wohnraum ist in der ganzen Stadt gestiegen, noch dazu ist Wohnen am Wasser sehr attraktiv geworden. Und Wohnen ist inzwischen aus Anlegersicht auch eine Assetklasse, was es wiederum für Investoren interessant macht, Immobilienprojekte in der Überseestadt zu entwickeln. Die Nachfrage steigt also, die freien Räume werden enger. Gleichzeitig müssen wir die Herausforderungen der kommenden Jahre sehen. Wir werden auch Gewerbe brauchen und müssen die Flächen entsprechend anbieten. Allerdings gibt es nur noch wenige freie Flächen. Diese vielfältigen Aspekte haben wir als WFB im Blick und sehen sie im Zusammenhang. Der Ortsteil lebt durch eine gesunde Mischung, wir können uns darum nicht ausschließlich an den Masterplan halten, sondern müssen die Entwicklung immer wieder den aktuellen Bedürfnissen anpassen. 

Die Überseestadt aus der Luft - 2016
© WFB / Studio B

Ist das nicht manchmal ein Zwiespalt bei der Flächenvermarktung, dass Sie einerseits im Sinne der Stadt „möglichst viel rausholen“ aber gleichzeitig auch die Entwicklung der Überseestadt für Investoren attraktiv gestalten müssen? 

Da sehe ich keinen Zwiespalt. Wir erfüllen einen Auftrag, den wir von der Stadt bekommen haben. Bremen hat nur ein begrenztes Vermögen, wenn Flächen auf dem freien Markt verkauft werden, dann zu einem Preis, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Dazu kommen politische Beschlüsse wie das Sofortprogramm Wohnungsbau, das zum Beispiel den Verkauf der Flächen für die Wohnprojekte Marcuskaje und Hafenpassage betraf. Wir verkaufen die Flächen entsprechend der Möglichkeiten auf dem freien Markt oder der politischen Beschlüsse, da haben wir einen klaren Auftrag. 

Was war die bisher größte Herausforderung bei der Entwicklung der Überseestadt?

Das ist für uns das „Orchestrieren“, so nenne ich das Zusammenbringen aller Akteure mit ihren verschiedenen Interessen. Bestandsunternehmen, neue Unternehmen, die Ressorts, Beiräte – das ist und bleibt die große Herausforderung. Trotz verschiedener Differenzen gelingt uns das auch ganz gut. Es gibt inzwischen nur noch wenige freie Flächen, sodass es auch immer weniger Raum für Kompromisse oder zum „Ausweichen“ gibt. 

Wie schätzen Sie die Schließung des Kellogg’s Werkes ein? Welches Potenzial birgt die freiwerdende Fläche? 

Wir respektieren die bestehenden Unternehmen in der Überseestadt sehr, und wir hätten Kellogg’s sehr gerne behalten. Aber es wurde eine unternehmerische Entscheidung getroffen und nun gilt es, Chancen daraus zu entwickeln. Dazu brauchen wir wieder einen Dialog aller Akteure, wir sollten nicht sofort etwas beschließen, sondern einen möglichst breiten Konsens erreichen. Da müssen persönliche Wünsche etwas zurückstehen, denn wir müssen die Gesamtentwicklung von Industrie, Gewerbe und Wohnen nicht nur in der Überseestadt, sondern in ganz Bremen berücksichtigen, um die beste Lösung zu finden. Dazu ist auch die Kontaminierung des Bodens ein großes Thema, an das wir mit Sorgfalt und Sensibilität herangehen müssen. 

Außenbereich der Gastronomie am Europahafen
Hier werden abends die Bürgersteige hochgeklappt? Andreas Heyer ist sich sicher: Das ändert sich. © WFB / Frank Pusch

Die Überseestadt ist als Ort zum Arbeiten und Wohnen sehr beliebt, dennoch hat sie nach wie vor das Image, dass abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Wie sehen Sie das und wie könnte sich das ändern?

Der Ortsteil ist ja noch nicht komplett, man muss die „Wiederbelebung“ abwarten, es sind letztendlich die Menschen, die die Überseestadt prägen. Dazu kommt die Nahversorgung, der ÖPNV, Schulen und Kitas – das sind die Faktoren, die das Leben dort ausmachen und auch die Wahrnehmung verändern. Wir sind auf dem Weg dahin, aber noch wird die Wahrnehmung eher vom An- und Abreiseverkehr morgens und abends beherrscht. Das wird sich eines Tages ändern, da ist noch viel möglich.

Was wünschen Sie sich für die Überseestadt? 

Ich halte sehr an dem Ziel fest, die Straßenbahnstrecke bis zur Weichen Kante auszubauen. So ist ja auch der Masterplan angelegt. Um den Ortsteil attraktiv zu machen, müssen wir ein Verkehrskonzept entwickeln, das zu einer Entlastung insbesondere zu den Schwerpunktzeiten führt. Der rollende und auch der ruhende Verkehr sind ganz wichtige Themen für die Überseestadt. Es gibt viele Parkhausflächen, die nicht genutzt werden – manch einer tut sich schwer damit, wenn er nicht vor der Tür parken kann und ein paar Schritte laufen muss. Die Entwicklung der Infrastruktur ist auch etwas, das wir flexibel halten müssen – zur Entlastung des Berufsverkehrs aber genauso um zum Beispiel die Weiche Kante als Freizeit- und Erholungsort für alle Bremer gut erreichbar zu machen. Da wäre eine durchgehende Straßenbahn sehr hilfreich.

Straßenbahn in der Überseestadt
Andreas Heyer hält am Ziel fest: Straßenbahn bis zur Weichen Kante (jetzt Waller Sand) ausbauen © WFB / Frank Pusch


Informationen zur allgemeinen Entwicklung der Überseestadt und freien Bauflächen erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen@wfb-bremen.de und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel@wfb-bremen.de


Autorin: Nina Svensson

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