4.8.2024 - Daniela Krause

Inklusives Wohnen, Arbeiten und Erleben

Lebensqualität

Gelebte Inklusion im Quartier: Blaue Karawane, Blaue Manege und BlauHaus

Das BlauHaus ist ein bundesweit einzigartiges inklusives Wohnprojekt am Kommodore-Johnsen-Boulevard 11 in der Überseestadt. Die Menschen leben dort selbstbestimmt und in gemeinschaftlicher Verantwortung. Im Zentrum der Anlage hat der Verein Blaue Karawane e. V. mit der Blauen Manege einen Begegnungs- und Veranstaltungsort geschaffen.

Blick auf die Blaue Manege und ein Wohngebäude des BlauHaus-Projekts
Das Projekt BlauHaus hätte es ohne den Verein Blaue Karawane nicht gegeben. © Blaue Karawane e. V.

BlauHaus

Im BlauHaus leben auf einem knapp 7.800 Quadratmeter großen Grundstück etwa 170 sehr verschiedene Menschen in 84 barrierefreien Wohnungen, verteilt auf zwei Wohngebäude der GEWOBA Bremen. Die Wohnungen reichen von Mikro-Appartements mit 30 Quadratmetern bis hin zu Acht-Zimmer-Wohnungen mit 243 Quadratmetern. Ein begrünter Gartenhof ist ein beliebter Anlaufpunkt für Begegnungen und den gemeinsamen Austausch.

Auf dem Areal betreiben die QUIRL Kinderhäuser eine inklusive Kindertagesstätte mit 60 Betreuungsplätzen. Als Kooperationspartner sind auch der Martinsclub (Betreuung im Quartier) und Inklusive WG Bremen e.V. (8er-WG im BlauHaus) im Projekt mit eingebunden.

Ihr Zusammenleben gestalten die Bewohnerinnen und Bewohner des BlauHaus eigenständig und gemeinschaftlich. Zweimal im Monat tagt ein öffentliches Plenum in der Blauen Manege, in dem aktuelle Fragen und Anliegen besprochen werden. Im Jahr 2023 wurde das inklusive Wohnprojekt mit dem Preis Soziale Stadt ausgezeichnet.

Das Bild zeigt einen großen, hellen Veranstaltungsraum der "Blauen Manege" mit hoher Holzdecke und runden, warm leuchtenden Lampen. Im Raum stehen verschiedene Sitzmöbel, darunter Sofas und Stühle. An den Wänden hängen viele gerahmte Bilder. Die Atmosphäre wirkt offen, freundlich und einladend.
Der Veranstaltungsraum in der Blauen Manege bietet Raum für vielfältige Anlässe. © Grygorij Okun

Blaue Manege

Die Werkstätten in der Blauen Manege bieten im Rahmen von offenen Workshops allen Interessierten die Möglichkeit zur handwerklichen und künstlerischen Betätigung. Menschen aus verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, mit vielfältigen Erfahrungen, Talenten und Beeinträchtigungen kommen hier zusammen. 

Derzeit kann man sich in einer Mal-, Keramik-, Theater-, Qigong-, Sing-, Garten- und Musikgruppe verwirklichen. In der Medienwerkstatt entstehen Foto-, Video- und Tonaufnahmen, die das inklusive Leben dokumentieren. 

Der lichtdurchflutete, rund 150 Quadratmeter große Veranstaltungsraum verfügt über flexible Trennwände und kann an unterschiedliche Gruppen, Aktivitäten und Veranstaltungen angepasst werden. In der großen Küche wird gemeinsam gekocht, im Begegnungsraum miteinander gefeiert und getanzt, aber auch geplant und diskutiert. Die Blaue Manege bildet das Quartierszentrum für das Leben im BlauHaus-Projekt und in seiner nachbarschaftlichen Umgebung.

Das Bild zeigt einen hellen Caféraum in der 'Blauen Manege' mit vielen Personen, die an Tischen sitzen und sich unterhalten. Einige Menschen nutzen Rollstühle. An den Wänden hängen bunte Kunstwerke. Durch große Fenster fällt Tageslicht in den Raum. Die Atmosphäre wirkt offen und einladend.
Soll ein fester Bestandteil des Angebotes werden: das Café in der Blauen Manege. © Grygorij Okun

Café in der Blauen Manege

Angelehnt an das Café Blau, das es am alten Standort der Blauen Karawane im Speicher XI gab, möchte der Verein in der Blauen Manege ein Café als offenen Treffpunkt für die Nachbarschaftentwickeln. Gesucht werden Menschen, die sich vorstellen können, sich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren und das Angebot mitzugestalten.

Das Bild zeigt einen Walk-Act der Blauen Karawane: Große, bunte Figuren oder Kostüme sehen wie fantasievolle Meerestiere oder Quallen aus. Sie bestehen aus Stoffbahnen in Grün-, Blau- und Lilatönen. Die Figuren stehen im Freien auf einem gepflasterten Platz vor einem Gebäude. Die Szene wirkt kreativ und spielerisch.
Fantasievolle Walk-Acts, die für Aufmerksamkeit sorgen – auch dafür steht die Blaue Karawane. © Blaue Karawane e. V.

Blaue Karawane e. V.

Ohne die Blaue Karawane gäbe es das BlauHaus-Projekt nicht. Sie setzt sich seit mehr als 30 Jahren mit verschiedenen künstlerischen und thematischen Aktionen für Inklusion und Gleichberechtigung von “verrückt-normalen” und “normal-verrückten” Menschen ein und hat die Idee des inklusiven Wohnprojektes seit 2007 unbeirrt weiterverfolgt.

Der Verein besteht aus rund 30 festen Mitgliedern sowie vielen Ehrenamtlichen, die die Blaue Manege beleben und sich aktiv an Veranstaltungen in der Überseestadt beteiligen. So macht die Blaue Karawane unter anderem beim Kinderfest mit und bereichert mit einem Café den Flohmarkt des Vereins Kultur vor Ort im Quartier.

Das Bild zeigt den belebten Außenbereich der 'Blauen Manege'. Man sieht mehrere moderne Gebäuden. In der Mitte liegt das Wüstennarrenschiff in Form eines großen blauen Kamels, umgeben von Sitzbereichen, Pflanzen und Wegen. Menschen bewegen sich über den Platz, einige sitzen unter weißen Sonnenschirmen.
Das Wüstennarrenschiff ist das Markenzeichen der Blauen Karawane. © Grygorij Okun

Wüna - das Wüstennarrenschiff

Auch über Bremen hinaus tritt der Verein in Erscheinung. Seit 1994 schwimmt “Wüna”, das blaue Wüstennarrenschiff, durch das Land, unter anderem über Weser, Mittellandkanal und Elbe. Mit solchen Aktionen macht sich die Blaue Karawane für die Förderung der Integration von sozial benachteiligten und ausgegrenzten Menschen stark - ebenso mit inklusiven Theaterprojekten und Walk-Acts in mehreren deutschen Städten. “Wüna” ist als Symbol für den Aufbruch ins Unbekannte in eine phantasievolle Begegnung mit dem anderen zu verstehen.

Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen, darunter Personen im Rollstuhl, die gemeinsam im Freien stehen. Hinter ihnen halten einige ein großes Schild hoch, auf dem „Mit Dir gelingt Inklusion“ steht. Im Hintergrund sind moderne Gebäude zu sehen. Die Szene wirkt solidarisch und gemeinschaftlich.
Gemeinsam für Inklusion. Der Protesttag steht als fester Termin im Vereinskalender. © Blaue Karawane e. V.

Protesttag

Jährlich nimmt der Verein am Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung teil. Dieser ist immer am 5. Mai. Erstmals zog die Blaue Karawane 1985 mit den Blauen Bremer Stadtmusikanten durch Deutschland, um gemeinsam mit dem Blauen Pferd “Marco Cavallo” für die Auflösung psychiatrischer Anstalten zu demonstrieren. 

Fachtag Psychiatrie im Bremer Westen: Das Bild zeigt eine Podiumsrunde mit sechs Personen, die auf einer Bühne sitzen und diskutieren. Hinter ihnen ist eine große Leinwand mit einer Präsentation zu sehen. Die Stimmung sachlich und konzentriert.
Eindrücke vom Fachtag Psychiatrie. © AK Neue Psychiatrie im Bremer Westen

Arbeitskreis Neue Psychiatrie im Bremer Westen

Aus der Initiative der Blauen Karawane heraus ist der Arbeitskreis Neue Psychiatrie im Bremer Westen entstanden. Erklärtes Ziel ist es, den Umbau der Psychiatrie von stationär zu ambulant voranzutreiben. Hierfür sind die Ehrenamtlichen im Gespräch mit der Politik und anderen Akteuren. Der Arbeitskreis trifft sich zweimal im Monat in der Blauen Manege. 

Mitmachen und unterstützen

Wer sich in die vielfältigen Angebote und Projekte der Blauen Karawane einbringen möchte, kann sich bei Projektleiterin Simone Scheidl melden unter Telefon 0421 – 3801790 oder per E-Mail: info@blauekarawane.de. Auch wer keine Zeit hat, sich ehrenamtlich zu betätigen, kann den Verein unterstützen und beispielsweise für acht Euro im Monat die Kosten für einen Quadratmeter der Blauen Manege übernehmen.

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