26.2.2026 - Insa Lohmann

Lebendige Hafengeschichte

Kultur

Hafenrevuetheater bringt Retrocharme der 1950er Jahre auf die Bühne

Bremens kleinstes professionelles Privattheater befindet sich mitten in der Überseestadt: Im Hafenrevuetheater nehmen Ulrich Möllmann und Claudia Geerken die Zuschauerinnen und Zuschauer seit über zehn Jahren mit auf eine Reise in vergangene Zeiten.

Ulrich Möllmann im Hafenrevuetheater in der Überseestadt.
Ulrich Möllmann (links) gründete vor mehr als zehn Jahren das Hafenrevuetheater in der Überseestadt – und steht regelmäßig selbst auf der Bühne. © Frank Schaub (kontakt@frankschaub.de)

Der Bremer Überseehafen in den 1950er Jahren: Eine Zeit, in der Männer noch „echte“ Kerle sein durften. Mittendrin Theodor, nach langer Seefahrt zurück an Land. Zwischen Stauern und Hafendirnen findet er Labskaus-Gerda und Korn-Hannes. Hin- und hergerissen zwischen Weltanschauung und Walle, Matrosen und Matjes, beginnt für ihn die Suche nach seiner ewigen, großen Liebe. Es ist die Geschichte von „Liebe, Last & Fracht – Hafenrevue“, das beliebteste Stück im Hafenrevuetheater – und inzwischen ein absoluter Klassiker beim Publikum. Für Ulrich Möllmann und sein Ensemble war es vor mehr als zehn Jahren die erste Produktion, die sie dem 2013 eröffneten Privattheater an der Cuxhavener Straße auf den Leib schrieben.

Hafengeschichte trifft auf skurrile Charaktere

Seitdem drehen sich die Bühnengeschichten in der Überseestadt um Lust und Leid, Sehnsucht und Sünde, sie handeln von leichten Mädels und schweren Jungs. Die Stücke tragen Namen wie „Tanz auf dem Vulkan“, „LoveBoat“ oder „Filmriss im Hafenbecken“ – mal sind sie provokant, mal absurd, mal faszinierend: „Die Story muss immer da sein“, sagt Ulrich Möllmann über die Stücke, die alle eigens für das Hafenrevuetheater in der Überseestadt geschrieben werden. Hier treffen Hafengeschichte, skurrile Charakter und Bremisches aufeinander. Da sich viele Besucherinnen und Besucher unter dem Begriff „Hafenrevuetheater“ nicht viel vorstellen könnten, bezeichnet Möllmann das Konzept gerne als „bremisch-deutsches Musiktheater“.

Ulrich Möllmann auf der Bühne des Hafenrevuetheaters
Mit seinem zwölfköpfigen Ensemble bringt Ulrich Möllmann (rechts) das Hafenflair der 1950er Jahre auf die Bühne. © Frank Schaub (kontakt@frankschaub.de)

„Da steckt eine unglaubliche Geschichte hinter“

Der Standort in der Überseestadt sei ideal, um die Geschichte des Bremer Hafens zum Leben zu erwecken, findet Ulrich Möllmann: „Wirtschaft, Aufschwung, Architektur, Logistik – da steckt eine unglaubliche Geschichte hinter.“ Stauer, Tallymann, Gastronomen, sie alle finden ihren Platz in den Bühnenstücken des Hafenrevuetheaters. „Wir wollen Figuren kreieren, die ihre Freude, aber auch ihre Probleme haben – stets gepaart mit Bremer Besonderheiten“, sagt der Leiter. Im Sommer gibt es Open Air: dann führt das Ensemble einige Stücke auf der Bühne im Innenhof des Theaters auf.

Bremen – Liebe auf den ersten Blick

Ulrich Möllmann, der heute als Schauspieler auf der Bühne des Hafenrevuetheaters steht und zugleich als Regisseur agiert, ist eigentlich studierter Chemieingenieur. Die Liebe zum Theater und zur Schauspielerei hat er schon früh entdeckt, als Mitglied eines Amateur-Ensembles sammelte er erste Bühnenerfahrungen. Warum nicht nach seiner später Schauspielausbildung endlich das Theater zum Hauptberuf machen, fragte sich Möllmann, der vor mehr als 30 Jahren nach Bremen kam. Die Hansestadt und der „Junge vom Dorf“, das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. „Bremen hat einen kleinbürgerlichen Charakter, aber ist zugleich weltoffen“, sagt er. Damals fuhr er beruflich bedingt nahezu täglich mit dem Fahrrad von der Neustadt nach Walle. Da hatte die Überseestadt noch nicht viel mit dem bunten und lebendigen Stadtteil von heute zu tun. Doch irgendwie war Möllmann schon früh von der Überseestadt fasziniert, so eröffnete er zusammen mit Claudia Geerken 2012 zunächst die Minigolfanlage Schwarzlichthof in der Alten Stauerei. „Warum nicht auch ein Theater eröffnen?“, dachte sich das Duo und machte ein Jahr später Nägel mit Köpfen. Inzwischen haben sich die beiden Bremer ein kleines Kultur- und Freizeitimperium in der Überseestadt aufgebaut, der Spielparcours Hafenrummel im BLG-Forum sowie die Herberge Hafentraum und seit letztem Jahr das Handgolf gehören mittlerweile zum Portfolie von Möllmann und Geerken.

Claudia Geerken im Hafenrevuetheater
Claudia Geerken, Gründerin und Schauspielerin des Hafenrevuetheaters. Im Sommer gibt es Open-Air-Theater im Innenhof. © Frank Schaub (kontakt@frankschaub.de)

Ein kleines, aber feines Theater

Das Hafenrevuetheater hat für die beiden Schauspieler aber einen ganz besonderen Platz im Herzen. „Es ist ein kleines, aber feines, hochprofessionelles Theater“, sagt Ulrich Möllmann, während er durch die Räumlichkeiten führt. Gerade einmal 68 Sitzplätze zählt das Hafenrevuetheater, damit ist es nach eigenen Angaben Bremens kleines Profi-Privattheater. Der Atmosphäre tut das keinen Abbruch, im Gegenteil, die Besuchenden wissen gerade das Kleine, das Familiäre zu schätzen. Dafür sorgt das 12-köpfige Ensemble auf der Bühne, aber es sind auch die vielen liebevollen Details, die die Zuschauenden auf eine Reise in die Vergangenheit mitnehmen: Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Hafenzeiten, die Holzdielen an der Wand, die an echten Schiffsboden erinnern – der Hafenflair der 1950er Jahre zieht sich wie ein roter Faden durch das Theater in der Bremer Überseestadt. An der Spelunkenbar erwartet die Besucherinnen und Besucher – passend zur Hafengeschichte – Norddeutschlands größte Kornauswahl.

Ein Ausschnitt aus einem Bühnenstück des Hafenrevuetheaters
Die Bühnengeschichten drehen sich um Lust und Leid, Sehnsucht und Sünde, sie handeln von leichten Mädels und schweren Jungs. © Frank Schaub (kontakt@frankschaub.de)

Nicht ganz zufällig kommt auch das überwiegende Publikum aus den alten Hafenquartieren wie Walle und Gröpelingen. „Wir haben einige Stammbesucherinnen und -besucher, aber auch immer wieder neue Gesichter“, berichtet Möllmann. Apropos neue Gesichter: Auch die erwachsenen Söhne des Schauspielers zieht es in die Theaterwelt. „Beide wollen gerne in der Überseestadt miteinsteigen.“ Die nächste Generation des Hafenrevuetheaters steht also schon in den Startlöchern.

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