Was passiert auf der Überseeinsel?
StadtentwicklungEin neues Stück Stadt entsteht
Zwischen Weserufer und Europahafen wächst in Bremen ein Quartier heran: die Überseeinsel. Auf rund 250.000 Quadratmetern Entwicklungsfläche entsteht in den kommenden Jahren ein gemischter urbaner Raum zum Leben, Arbeiten und Lernen. Ein Überblick darüber, welche spannenden Projekte auf dem ehemaligen Kellogg’s-Areal gerade entstehen – und was sie so besonders macht.
Die Entwicklung der Überseeinsel gehört wohl zu den derzeit spannendsten und zugleich innovativsten Großbauprojekten in Deutschland. Was hier in der Überseestadt in den kommenden Jahren in Sachen Wohnen, Gastronomie und Energie entstehen wird, könnte wegweisend für die Stadtplanung in vielen anderen Städten sein. Geplant und entwickelt wird die Überseeinsel von denkmalstadt unter der Leitung von Dr. Klaus Meier. Für ihr innovatives Energiekonzept wurde die Überseeinsel bereits mit dem renommierten Energy Efficiency Award der Deutschen Energie-Agentur (dena) ausgezeichnet. Doch was genau passiert gerade und in den kommenden Jahren auf der Überseeinsel?
Kellogg-Pier: Herzstück mit Gastronomie und Erlebnis
Der Kellogg-Pier, ein bereits fertig entwickeltes Areal mit einem Mix aus Hotellerie, Gastronomie und Arbeiten und das Herzstück der Überseeinsel. An das markante Silo-Hotel „John & Will“, das 2024 eröffnet wurde, schließt sich das Vitaminlager an – mit Restaurant, Café und Büros. Hier befindet sich auch das sogenannte Reislager, eine ehemalige Reishalle, die sich zu einem Ort für Gastronomie, Erlebnis und Lebensmitteleinzelhandel entwickelt hat und heute das Zuhause für die beliebten Restaurants Zio Manu di Napoli und den Hopfenfänger ist.
Erlebnis wird hier großgeschrieben: Im Sommer können Mutige beim sogenannten House Running senkrecht die Hauswand des Silo-Hotels nach unten laufen. In den Wintermonaten dürfen Bremerinnen und Bremer hier über eine Eislaufbahn flitzen, die Teil des nachhaltigen Energiekonzepts der Überseeinsel ist. Das Prinzip: Die Abwärme der Eislaufbahn wird in das lokale Nahwärmenetz eingespeist und für Raumwärme und Warmwasser-Erzeugung genutzt.
Wohngewächshaus: Abwärme für Pflanzenwachstum
Wie könnte das Wohnen von morgen aussehen? Das zeigt das Wohngewächshaus, das gleich mehrere Besonderheiten mitbringt. Eine davon beginnt schon beim Aufbau, wie Investor Dr. Klaus Meier erläutert: „Das Gebäude ist extrem einfach gebaut, aber besitzt eine enorm hohe Ästhetik.“ Die Architekten und Entwickler von denkmalstadt setzen beim Wohngewächshaus auf eine praktische Holzmodulweise und begrünte Stahlbeton-Laubengänge als Zugänge zu den Wohnungen.
Die größte Besonderheit des Wohngewächshauses, das 25 geförderte Wohnungen bekommen soll, liegt allerdings im Dach: Es wurde als Gewächshaus konzipiert, die Abwärme aus den Wohnungen kommt den Pflanzen zugute. Meier: „Die optimale Nutzung von Wärme.“ Die Idee verbindet günstigen Wohnraum mit urbaner Landwirtschaft und gemeinschaftlicher Nutzung.
Fertigstellung: voraussichtlich 2027
Es grünt so Grøn
Ähnlich Innovatives in Sachen Energie ist beim Projekt Grøn geplant, ein Bürogebäude mit intensiver Fassadenbegrünung, für deren Bewässerung ein Regenwasserspeicher integriert wird. Herzstück wird ein Dachgarten für die Bewohnerinnen und Bewohner sein.
Fertigstellung: 2026
Stephanitorhöfe: Modernes Wohnen für Jung und Alt
Im Osten der Überseeinsel zwischen der Straße Auf der Muggenburg, der Weser und der a entsteht das Stephanitor – eines der vielfältigsten Projekte, das nachhaltige Bauweisen, moderne Arbeitsplätze und vielfältige Wohnformen vereint. Ein zentrales Projekt sind die Stephanitorhöfe: ein Ensemble aus fünf Gebäuden mit drei Innenhöfen, die Freiräume für Nachbarschaftsleben schaffen sollen. Neben Wohnungen für junge und ältere Menschen werden hier außerdem ein Gesundheitszentrum mit Schwimmbad und Laboren, Büros und Gewerbeeinheiten entstehen.
Fertigstellung: voraussichtlich 2028
Mobilitätsspeicher: Weniger Autos, mehr nachhaltige Mobilität
Die Entwickler von denkmalstadt setzen auf der Überseeinsel auf ein autoarmes Verkehrskonzept. Zentraler Baustein ist der Mobilitätsspeicher, in dem Parkflächen, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität sowie Angebote für Carsharing, Fahrräder und E-Lastenräder gebündelt werden. Damit soll der motorisierte Individualverkehr aus dem Quartier weitgehend herausgehalten und stattdessen auf geteilte und nachhaltige Mobilität gesetzt werden.
Fertigstellung: im Bau
Klimacampus: Nachwuchs für die Energiewende
In den alten Werfthallen soll ein Aus- und Fortbildungszentrum für Transformation und Innovation im Bereich Klimaschutz entstehen. Die Kernidee des Klimacampus ist ein moderner Ausbildungs-Campus, in dem berufliche Fertigkeiten erlernt werden können, die durch den fortschreitenden Klimawandel dringend benötigt werden. Dazu gehören Berufe, die von der Energieeffizienzsteigerung bis hin zu Erneuerbaren Energien Beiträge leisten können.
Fertigstellung: voraussichtlich 2028
Grundschule: Lernen in historischen Gemäuern
Im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Kellogg’s werden heute Kinder unterrichtet. Die Grundschule war eines der ersten Vorhaben der Überseeinsel, sie nahm bereits im August 2020 ihren Betrieb aufgenommen und wächst nun zu einer integrativen vierzügigen Grundschule heran. Die Schule auf der Überseeinsel verfügt unter anderem über einen innenliegenden Bewegungsraum und eine Mensa. Der Bau befindet sich aktuell im letzten Abschnitt.
Die Kellogg-Höfe: Wohnen trifft auf Bildung und Kultur
Bei den geplanten Kellogg-Höfen setzen die Quartiers-Entwickler von denkmalstadt stark auf die Umnutzung bestehender Industrie- und Verwaltungsgebäude – und eine bunte Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Bildung und Kultur vor Ort. Im Mittelpunkt steht die Flakes Fabrik mit rund 110 Loftwohnungen in den oberen Geschossen. Im Erdgeschoss sind ein Schwimmbad sowie kleinteilige Handels- und Produktionsflächen vorgesehen. Das Dach bietet Garten-, Spiel- und Sonnenflächen.
Auch das Maschinen- und Kesselhaus, das künftig etwa 25 Wohnungen mit Größen zwischen 50 und 175 Quadratmetern bieten wird, ist derzeit noch in Planung. Im Untergeschoss befindet sich bereits heute die Energiezentrale, die die gesamte Überseeinsel versorgt.
Alle Projekte im Überblick:
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