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1.1.1970 -

„Bremerinnen und Bremer können stolz auf ihre Überseestadt sein“

Überseestadt

Wie aus einem Hafenareal ein neuer Ortsteil wird

Im Mai 2013 kam Prof. Dr. Iris Reuther als Senatsbaudirektorin nach Bremen. Seitdem begleitet sie die Entwicklung der Überseestadt vom ehemaligen Hafenareal zu einem neuen Ortsteil, in dem im Jahr 2030 voraussichtlich rund 10.000 Menschen leben werden. Ob Nutzung von Speichern oder Wohnprojekte, ob Hochwasserschutz oder Skatepark – die Senatsbaudirektorin hat alles im Blick.

Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther
© WFB / Frank Pusch

Inwiefern begleiten oder gar bestimmen Sie als Senatsbaudirektorin die Entwicklung der Überseestadt?

Ich bin in Bremen insgesamt zuständig für Bau und Stadtentwicklung auf beiden Seiten der Weser, es geht um Konzepte, städtebauliche Planung, Baurecht und Baugenehmigungen. Die Entwicklung der Überseestadt ist ein sehr spannender Teil meiner Arbeit, bei der wir eng mit dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen kooperieren. Dabei geht es beispielsweise um die Nutzung von alten und neuen Gebäuden für Wohnen, Gewerbe oder Kultur genauso wie um öffentliche Fläche wie Straßen und Parks. Deshalb muss man alle Interessen gut abwägen, gleichzeitig trage ich ein Stück weit die Verantwortung für das Gesamtbild der Überseestadt. Mehr Arbeitsplätze und mehr Wohnungen erfordern zum Beispiel auch eine geeignete Nahversorgung, Schulen oder Kitas – das muss ich im Blick haben und dafür perspektivisch auch geeignete Standorte finden. 

Wer entscheidet letztendlich, welche Flächen wie genutzt werden? 

Grundsätzlich gilt natürlich das Planungs- und Baurecht. Letztendlich entscheiden die Baudeputation und die Bremische Bürgerschaft, was wo gebaut wird. Die Grundlage dieser Entscheidung sind städtebauliche Planungen, die in unserem Haus im Vorfeld bereits sorgfältig geprüft, mit allen Zuständigen abgestimmt und vorbereitet wurden. 

Sie sind im Mai 2013 als Senatsbaudirektorin nach Bremen gekommen. Was war Ihr erster Eindruck von der Überseestadt? 

Die Überseestadt und Bremen als Stadt am Fluss waren tatsächlich die ausschlaggebenden Gründe für mich, nach Bremen zu kommen. Ich hatte die Überseestadt zuvor bei einer Rundfahrt mit meinem damals zukünftigen Chef kennen gelernt. Wir sind einmal ganz durch bis zum Molenturm gefahren, anschließend haben wir im Hafencasino gesessen. Und dort haben wir zufällig die Projektentwickler getroffen, die gerade den Schuppen 1 umbauten. Sie haben uns spontan die Baustelle gezeigt, das war sehr interessant. Für mich war zudem sehr reizvoll, dass Bremen insgesamt eher in einem überschaubaren Maßstab gebaut ist: die meisten Gebäude haben maximal drei bis vier Geschosse, fast alle Straßen sind nicht sehr lang, wenn Sie zum Beispiel nach Walle schauen. In der Überseestadt dagegen wurde und wird in großem Maßstab gebaut, es gibt die großen Schuppen, lange, durchgehende Straßen und höhergeschossige Gebäude. Dazu kommt noch die Lage am Fluss, insbesondere am Molenturm, wo Tide, große Wasserflächen und der Hafen das Bild beeinflussen. Diese Nachbarschaft von gewachsenen Stadtteilen und der neuen Überseestadt ist einzigartig.

Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther
Für Iris Reuther war die Überseestadt einer der ausschlaggebenden Punkte, als Senatsbaudirektorin nach Bremen zu kommen © WFB / Frank Pusch

Sie haben die Überseestadt mal als einen Ort zwischen „schon“ und „noch“ bezeichnet. Sehen Sie das immer noch so und warum?

Die Überseestadt befindet sich in einem Wandel, der noch längst nicht abgeschlossen ist. „Noch“ heißt, dass die Überseestadt nach wie vor auch ein Logistik- und Produktionsstandort ist. „Schon“ bedeutet, dass die Überseestadt auf dem Weg ist, ein neuer Stadtteil mit gemischten Nutzungen zu werden. Zum Teil ist sie es ja schon, es gibt Wohnungen, Gewerbe, Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und Parks.

Wird die Überseestadt denn eines Tages ein eigener Stadtteil werden?

Walle und die Überseestadt gehören heute zusammen, die Überseestadt arbeitet noch an einer eigenen Identität. Sie hat jetzt rund 1.300 Einwohner, für 2030 sind allerdings rund 10.000 Bewohner prognostiziert. Wenn es dann zum Beispiel auch Kitas und Schulen in der Überseestadt gibt, wird sie perspektivisch vielleicht zu einem Stadtteil.

Wodurch wird diese Entwicklung noch beeinflusst?

Die Überseestadt hat auch einen besonderen Bezug zu Gröpelingen. Zum Beispiel durch die Fährverbindung, die zwischen dem Pier 2 beziehungsweise der Waterfront und dem Molenturm in der Überseestadt verkehrt. Für die Menschen aus Gröpelingen führt hier der schnellste Weg zur Weser tatsächlich durch die Überseestadt, auch sie sind eng mit ihr verbunden.

Die Überseestadt ist als Ort zum Arbeiten und Wohnen sehr beliebt, aber hat immer noch den Ruf, dass dort abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Wie sehen Sie das?

Die Überseestadt ist heute nicht an allen Stellen so lebendig wie das Viertel oder die Neustadt, aber das sind andere Stadtteile von Bremen ja auch nicht. Im innenstadtnahen Bereich, beim GOP im Kaffee-Quartier, oder im Umfeld von Schuppen 1, an der Feuerwache oder am Skatepark ist aber schon einiges los. Wenn die Weiche Kante, der neue Freiraum am Molenturm, fertig ist und dort die Gastronomie eröffnet, wird das auch noch mal eine interessante Belebung. Wichtig ist, dass das Wohnen in der Überseestadt für ein breites Spektrum, also nicht nur exklusiv und hochpreisig, sondern zum Beispiel auch für Familien bezahlbar und zugänglich wird. Da sind wir ja inzwischen auf einem sehr guten Weg. 

Im Jahr 2000 wurde der Masterplan für die Überseestadt vorgestellt. Ist dieser wie geplant umgesetzt worden? 

Der Masterplan hat insbesondere die großen städtebaulichen Linien und Bereiche vorgegeben. Wir haben viele lange Straßen, auch bedingt durch die Lage am Fluss. Vieles ist in diesem Rahmen wie geplant umgesetzt worden, aber nicht alles. Zum Beispiel sah der Masterplan vor, den Schuppen 3 komplett abzureißen. Aber in den Diskussionen, unter anderem mit dem Beirat wurde deutlich, dass viele Bewohner aus Walle noch einen engen Bezug zu diesem historischen Gebäude haben, sie verbinden damit Erinnerungen an die Zeit, als sie dort gearbeitet haben. Es war eine emotionale Frage, ob der Schuppen abgerissen wird oder nicht. Und nun wird ein Teil gegenüber dem erneuerten Schuppen 1 ja auch um- und weitergebaut. 

Die Überseestadt aus der Luft - 2016
© WFB / Studio B

Wird die Überseestadt irgendwann „fertig“ sein? 

Die Überseestadt wird etwa bis 2030 im Wesentlichen erschlossen und erneuert oder bebaut sein, aber sich trotzdem immer weiter entwickeln. Zurzeit ist die Dynamik natürlich besonders hoch. Aber es ist ein Generationenprojekt, nach 20 oder 30 Jahren wird es vielleicht auch wieder neue Richtungen geben. Wohnen, neues Gewerbe, Kultur und Nahversorgung, Freizeitangebote, dazu die bestehenden Gewerbenutzungen – das Zusammenspiel wird sich immer wieder verändern und gegenseitig beeinflussen, das ist ja das Spannende daran. Die Bremer dürfen ruhig stolz auf die Überseestadt sein und sollten sie noch mehr zu ihrem eigenen Ort machen. So wie es die Hamburger mit ihrer Hafencity machen. Für mich ist es ein Privileg, an der Gestaltung des Ortsteils mitzuwirken zu dürfen und die Entwicklung der Überseestadt zu begleiten. 


Informationen zur allgemeinen Entwicklung der Überseestadt und freien Bauflächen erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen@wfb-bremen.de und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel@wfb-bremen.de


Autorin: Nina Svensson

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