Die Überseeinsel – Zu den Vorstudien

Um eine vergleichende Beurteilung der Möglichkeiten vornehmen zu können, haben die Stadtgemeinde Bremen sowie die Firmen Kellogg und WPD als künftiger Flächeneigentümer ein mehrstufiges Verfahren initiiert.

© Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Stufe eins: Der konzeptionelle Ansatz für die Gesamtfläche

Die erste Stufe des Verfahrens beinhaltete die Erstellung von Vorstudien, die sich zunächst in einer ersten Phase auf die Gesamtfläche Europahafen Südseite beziehen und in einer zweiten Phase auf das Kellogg-Areal. Sechs teilnehmende Arbeitsgemeinschaften aus Stadtplanern und Landschaftsarchitekten hatten nach ausführlicher Erläuterung der Aufgabenstellung innerhalb von sechs Wochen die Gelegenheit, einen konzeptionellen Ansatz für die Gesamtfläche zu entwickeln. Die Entwürfe wurden von einem Expertengremium gesichtet, das sich aus kompetenten Vertretern der Fachdisziplinen Stadtplanung, Städtebau, Landschaftsarchitektur und Verkehr und Infrastrukturplanung, Vertretern der Auslober – also der Stadt, Kellogg und von Kellogg Bevollmächtigte – sowie kundigen Sachverständigen zusammensetzte.

Bausteine der Rahmenplanung
Nach Vereinbarung des sogenannten „Bremer Modells“ sind neben einer Sicherung des Bestandes (Senatsbeschluss zum Bestandsschutz) auch Entwicklungsmöglichkeiten für die ansässigen Industrie- und Hafenbetriebe zu gewährleisten.

Was ist Bestandsschutz? 
Bestandsschutz ist ein (aus dem Grundgesetz Artikel 14 abgeleitetes) Rechtsinstitut. Der Bestandsschutz verleiht einem rechtmäßig begründeten Bestand und seiner Nutzung grundsätzlich Durchsetzungskraft gegenüber neuen ggf. entgegenstehenden Gesetzen und Anforderungen.

Stufe zwei: Das Kellogg-Areal

Auf Grundlage der Ergebnisse aus Phase eins wurden drei Büros ausgewählt, die in der Phase zwei vertieft das Kellogg-Areal in einem separaten Gutachter-Verfahren bearbeiteten. Die Ergebnisse dieser Phase wurden von den Büros wiederum im Rahmen einer Abschlusspräsentation persönlich dem Expertengremium vorgestellt und diskutiert. Auf dieser Basis formulierte das Expertengremiumeine Empfehlung zur weiteren städtebaulichen Qualifizierung. 

Entwürfe der drei ausgewählten Büros

COBE
„Besonders überzeugend ist die Raumbildung am Kopf des Hansatores sowie die Platzfolge beginnend am Hansator über die Silowiese und endend am Siloplatz. (...) Der Umgang mit dem Silogebäude findet eine hervorragende Balance zwischen Inszenierung und Einbindung. (...) Die Platzierung der öffentlichen Nutzungen und ihre Integration in die Raumfolge sind sehr überzeugend. “ 
Auszüge der Jurywertung
Überseeinsel_Entwurf COBE1

                                                                                                                            Entwurf: COBE Architects

Konzept
Das Kellogg Areal ist Herzstück der Europainsel und durch seine Platzierung zwischen Hafen und Weser, zwischen Innenstadt und Überseestadt geprägt. Diese zweiseitigen Identitäten spiegeln sich in der Verteilung der Dichte, der Freiraumgestaltung und der gewählten Typologien wieder. Folgende vier Leitstrategien prägen den Entwurf: 1. Ein Viertel zwischen Industrie- und Flusslandschaft, 2. Ein Hafen mit Geschichte, 3. Eine nachhaltige Halbinsel und 4. Die produktive Stadt.

Überseeinsel_Entwurf COBE2

                                                                                                                              Entwurf: COBE Architects
Städtebau
Abwechslungsreiche Baufelder mit Gebäuden zwischen vier und zwölf Geschossen bilden die Grundlage für ein gemischtes Quartier. Analog zur Bremer Altstadt entsteht eine dichte Bebauung mit Hochpunkten
in zweiter und dritter Reihe. Schmale Straßenzüge bilden einen Kontrast zur Weite des Weserraums. Die Architektinnen und Architekten imaginieren die Europainsel in Zukunft als ein Stück Innenstadt. Dies schlägt sich baulich unter anderem in der Weiterentwicklung des „Bremer Hauses“ oder der „Packhaustypologie“ nieder. Letztere ist als Wohn- und Gewerbebau denkbar und kommt als Solitär und Blockrandbebauung vor.


Gruppe OMP + nsp Christoph Schonhoff

„Die vorgestellte Konzeption führt die Idee einer gebäudetypologisch eindeutig bremischen Lösung konsequent weiter. (...) Im Ergebnis gelingen den Autoren charaktervolle und identitätsstiftende Nachbarschaften mit einer überzeugenden Milieubildung und einer eindeutigen Zuordnung von öffentlichen und privaten Freiflächen. Eine große Stärke hat die Arbeit im Bereich der Verbindung der Hoerneckestraße mit der Bebauung an der Südseite des Europahafens.“
Auszüge der Jurywertung

Überseeinsel_Entwurf OMPnsp1
                                                                                    Entwurf: Gruppe OMP + nsp Christoph Schonhoff
Konzept
Die Überseeinsel als Quartier der Zukunft orientiert sich anteilig an den Leitbildern der „Smart City“, „Sustainable City“ und der „Healthy City“. Der Umgang mit Ressourcen, die Resilienz des Quartiers
auch in der fernen Zukunft sowie neue Formen der Mobilität stehen im Vordergrund.


Überseeinsel_Entwurf OMPnsp2

                                                                                          Entwurf: Gruppe OMP + nsp Christoph Schonhoff
Städtebau
Die Bebauung der weserseitigen Inselhälfte folgt in ihrer städtebaulichen Ausrichtung dem Weserlauf. Sie organisiert derart bis zu acht städtebauliche Cluster, welche als Fragmente verdichteter, nutzungsdurchmischter Stadt verstanden werden und kleinere Nachbarschaftskontexte im übergeordneten Quartier bilden. Der orthogonalen Struktur am Europahafenbecken wird eine parallele Bebauungsreihe zur Seite gestellt.


Überseeinsel_Entwurf OMPnsp3
                                                                                          Entwurf: Gruppe OMP + nsp Christoph Schonhoff


SMAQ + Man Made Land

„Die städtebauliche Grundstruktur des erweiterten Plangebietes ist sehr gelungen. Die Durchlässigkeit der Quartiere und die Einbindung des Vertiefungsteils in den vorgeschlagenen Gesamtkontext ist hervorragend. Die verkehrliche Erschließung (...) ist funktionsgerecht. Ein großer Reiz des Beitrages liegt in der Idee eines großzügigen Parks direkt an der Weser (heutige Exxon-Fläche) sowie der im Vergleich zu den anderen Beiträgen breiteren Weserpromenade.“
Auszüge der Jurywertung

Überseeinsel_Entwurf SMAQ1
                                                                                                                 Entwurf: SMAQ + Man Made Land
Konzept
Urbane Qualitäten – sozial, ökonomisch und ökologisch – hängen von der Identifikation und lokalen Handlungsfähigkeit der Bewohner und Akteure mit und in ihrem Umfeld, sowie der Vernetzung der Umfelder untereinander ab. Das Kellogg-Areal kann Triebfeder dieser Zukunft sein. Es teilt sich in klar identifizierbare, gemischte Quartiere, jedes mit direktem Bezug zur Weser. Die einzelnen Bausteine leisten einen belebenden Beitrag zur stadtübergreifenden Adresse der Weserpromenade.


Überseeinsel_Entwurf SMAQ2

                                                                                                                 Entwurf: SMAQ + Man Made Land
Städtebau
Von Osten nach Westen gliedern grüne Fugen das Kellogg-Areal in vier unterschiedliche, aber alle auf den Flussraum ausgerichteten Quartiere: Erste Lage, Kellogg-Höfe, Kellogg-Quartier und Atlasquartier. Innerhalb der Quartiere ist eine Varianz aus für Bremen typischen 3- 4 geschossigen Stadthäusern, Geschosswohnungsbau in Blöcken sowie Punkthäusern zu finden. Besondere Orte werden durch bis zu 8-geschossige Häuser markiert und gliedern die Stadtsilhouette zur Weser.