Opern-Projekt der HfK: H. Purcell + Les mamelles de Tirésias

Datum/Uhrzeit:
10.07 + 11.07.2026 jeweils 19 Uhr

Ein Opernabend, der zwei Welten verbindet und doch eine gemeinsame Frage stellt:
Was ist wirklich wichtig im Leben? Die Hochschule für Künste Bremen lädt zu einem außergewöhnlichen Doppelabend ein, in dem sich barocke Klangpracht und surrealistische Moderne gegenseitig spiegeln und verstärken.

Im ersten Teil präsentiert die Alte Musik Abteilung unter der Leitung von Detlef Bratschke ein Opern-Pasticcio nach Werken von Henry Purcell, entwickelt nach einer Idee von Kobie van Rensburg. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihren runden Geburtstag vorbereitet und voller Vorfreude ihre Freunde und Familie erwartet. Doch kurz bevor die Gäste eintreffen, erhält sie von ihrem Arzt eine Diagnose, die ihr Leben aus den Angeln hebt. Das folgende musiktheatralische Geschehen zeigt mit feinem Humor und berührender Tragik, wie brüchig vermeintlich stabile Freundschaften werden können, wenn Trost und Hilfe ins Leere laufen. Wie begegnet man einem Menschen, dessen Welt gerade zerfällt? Was sagt man, wenn jedes Wort falsch klingt? Und wie findet man selbst Halt, wenn man helfen möchte und doch nur hilflos ist? Das Pasticcio wird zu einer leisen, zugleich kraftvollen Auseinandersetzung mit der Frage, was im Leben Bestand hat, wenn Gewissheiten verschwinden.

Im zweiten Teil schlägt der Abend einen radikalen Bogen in die Moderne: Die Klassische Abteilung der HfK bringt gemeinsam mit dem Hochschulorchester unter der Leitung von An-Hoon Song Francis Poulencs Oper Les mamelles de Tirésias auf die Bühne. In grotesker Überzeichnung erzählt das Werk von Thérèse, die genug hat vom ständigen Blick durch die Brille männlicher Erwartungen. Sie sprengt die Grenzen ihres Geschlechts, verweigert sich der Rolle der Gebärenden und überlässt diese Aufgabe ihrem Mann – der daraufhin in einer Art surrealem Labor täglich 40.050 Kinder produziert und damit den Staat ins ökonomische Chaos stürzt. Guillaume Apollinaire, der das Libretto nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg schrieb, entwarf eine surrealistische Hymne auf das Leben, auf Veränderung und auf die Freiheit, gesellschaftliche Rollen zu tauschen. Die Oper zeigt, wie Gesellschaften seit jeher zwischen konservativen und liberalen Polen pendeln, oft ausgelöst durch Krisen oder Kriege. Sie feiert eine Zeit, die unserer Gegenwart erstaunlich nahe ist, und kritisiert zugleich eine Welt, die zunehmend von Ökonomie, Egoismus und schwindender Empathie geprägt ist. Gerade weil Geschichte sich wiederholt und neue Konflikte am Horizont drohen, bleibt dieses Werk erschreckend aktuell. So entsteht ein Abend, der zwischen heiterer Leichtigkeit und existenzieller Tiefe pendelt, zwischen barocker Intimität und surrealistischem Überschwang. Ein Abend, der uns zum Lachen aber auch zum Nachdenken bringt. Und der uns daran erinnert, dass Musiktheater nicht nur Geschichten erzählt, sondern uns immer wieder neu fragt, wie wir leben wollen – und wie wir miteinander umgehen.

Wichtige Informationen Eintritt 25 € | Ermäßigt 15 € | HfK-Angehörige 5 €
Mit der freundlichen Unterstützung des Freundeskreis der Hochschule für Künste und Klavierhaus Helmich

Veranstaltungsort Hochschule für Künste Bremen
Am Speicher XI A
28217 Bremen

www.hfk-bremen.de