Von Mäusen und Fürsten

Die bewegte Geschichte des Molenturms in der Bremer Überseestadt

Der rund 100 Jahre alte Molenturm ist zum Wahrzeichen der Überseestadt geworden. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte des Turms, in der nicht immer alles glatt ging: In den 1920er-Jahren geriet der Turm nach einem Unfall in Schieflage.

Molenturm in der Bremer Überseestadt
Der Molenturm in der Bremer Überseestadt. © WFB/Stolz

War der Nebel schuld? Oder hatte der Kapitän einfach nicht rechtzeitig die Kurve gekriegt? So ganz genau weiß keiner, wie es zu dem verhängnisvollen Ereignis am 6. April 1925 kam. „Ein merkwürdiger Unfall“ sei das gewesen, hieß es damals in der Zeitung. Überliefert ist, dass ein englischer Dampfer in den Überseehafen Süd einfahren wollte. Dabei rammte er ausgerechnet den kleinen Molenturm, der ihm den Weg in den Hafen weisen sollte. Durch den Zusammenprall wurde der Leuchtturm aus seinem Fundament gerissen und geriet in Schieflage. Zu diesem Zeitpunkt war der Turm gerade mal 19 Jahre alt. 1906 war er errichtet worden. Ein Schwimmkran hob das Bauwerk nach dem Unfall in einem Stück an und setzte es wieder ab. Trotzdem musste ein Neubau her, für den die Steine der alten Ruine in Teilen wiederverwendet werden konnten.  

1925 rammte ein englischer Frachter bei der Einfahrt in den Überseehafen den Molenturm
Das ging schief: 1925 rammte ein englischer Frachter bei der Einfahrt in den Überseehafen den Molenturm. © Kulturhaus Walle Brodelpott / Hafenarchiv

Die Bremer Molenfürsten

Der neue Molenturm trat 1926 seinen Dienst an. Er wies nicht nur Schiffen den Weg, sondern diente auch als Dienststelle für das Hafenamt. Hafenbedienstete – damals auch „Molenfürsten“ genannt – saßen rund um die Uhr im runden Turmzimmer. Bei jedem sich nähernden Schiff traten sie mit ihrem Megafon auf den Balkon und dirigierten die Kapitäne lautstark zu den vorgesehenen Liegeplätzen. Bei Nebel mussten die Hafenarbeiter sogar alle 15 Minuten an die frische Luft, um die mechanische Nebelglocke außen am Turm aufzuziehen: Zehn laute kurze Schläge pro Minute tönten dann übers Wasser. 1952 wurde diese Nebelglocke durch einen elektrischen Luftschallsender ersetzt. Die neue Technik erleichterte die Arbeit der Hafenbediensteten erheblich: Ein Druck auf den Schalter reichte, um ein Signal auszusenden. Das ehemalige Uhrwerk wurde 1980 aus dem Molentrum ausgebaut und ist nun im Eingangsbereich des Hafenmuseums im Speicher XI ausgestellt. Dort kann es dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr kostenfrei besichtigt werden. Weitere Informationen zum Museum gibt es hier: www.hafenmuseum-speicherelf.de

Ausflugsziel Molenturm: Längst kein Geheimtipp mehr

Die Hafenarbeiter verpassten ihrem Leuchtturm damals den Spitznamen „Mäuseturm“. Vermutlich, weil in dem ungeheizten Gemäuer regelmäßig der ein oder andere Nager rumflitzte. Heute ist vieles anders: In dem Turm arbeiten keine Hafenbedienstete mehr, das Bauwerk steht unter Denkmalschutz und das Gelände wurde im Rahmen der Bauarbeiten für den angrenzenden Strandpark Waller Sand aufgewertet. So wurde der Weg erneuert, der nun von Ulmen gesäumt den Leuchtturm an die Überseepromenade anbindet. Zudem wurde eine aus alten Hafenmaterialen gefertigte Eisenholz-Kletterskulptur am Leuchtfeuer aufgestellt. Heute gehört das Areal rund um den Molenturm zu den beliebtesten Ausflugszielen und Fotomotiven in der Überseestadt. 

Birgit und Dackeldame Gina aus der Überseestadt nehmen uns mit auf einen Spaziergang zum Molenturm.

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Andere Dinge sind geblieben, wie sie waren: Der dreistöckige Turm wird von vielen Bremerinnen und Bremern noch immer liebevoll „Mäuseturm“ genannt und das Leuchtfeuer weist auch heute noch Schiffen ihren Weg, wenn sie vom Wendebecken kommen oder dorthin unterwegs sind. Neun Seemeilen weit blinkt das Licht, damit Segler den Europahafen und Seeleute den Holz- und Fabrikenhafen finden. 

Autorin: Benthe Stolz

Weitere Informationen zur Überseestadt Bremen, Ansiedlung und Vermarktung erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen@wfb-bremen.de, und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel@wfb-bremen.de