Ein unzertrennliches Doppel: Kaffee und die Überseestadt Bremen

Hier duften die Straßen nach Kaffee – und sind außerdem nach den beliebten Bohnen benannt.

Kaffespezialitätenhaben in Bremen eine lange Tradition
Selbst ein eigenes Wort für den Verzehr des Heißgetränks kennt der Bremer: „Kaffeesieren“ © WFB / Jan Rathke

Schon gewusst? 0,41 Liter Bohnenkaffee werden durchschnittlich in Deutschland täglich pro Kopf weggeschlürft. Insbesondere in Bremen blickt der Wachmacher auf eine lange Tradition zurück. Und auch heute geht es hier noch immer um die (geröstete) Bohne: Für den Kaffeeimport in Deutschland sind die bremischen Häfen die bedeutendsten Stationen. Kein Wunder also, dass in der Überseestadt ganze Straßen nach dem koffeinhaltigen Genussmittel benannt sind.

In der Überseestadt ist das in Deutschland meistkonsumierte Heißgetränk Namensgeber für diverse Straßen. Wie es dazu kam? Wir haben Straßenkarten und Geschichtsbücher gewälzt – und Antworten gefunden.

Hansestadt, Häfen, Hochlandkaffee

Der Handel mit Baumwolle, Tee, Reis, Kaffee, Tabak, Wein und Früchten hatte in Bremen einst große Bedeutung. Die Waren kamen aus Übersee und gelangten über die Häfen in die Stadt. Da ist es naheliegend, dass sich Kaffee-Unternehmen in direkter Umgebung ansiedelten. In Bremen war der Kaffee also quasi zu Hause, Röstereien haben hier Tradition: 1906 gründete Ludwig Roselius „Kaffee HAG“ – übrigens die erste Kaffeefabrik weltweit, die koffeinfreien Kaffee verkauft hat. Durch Eduard Schopf entstand um 1924 die Marke „EduScho“. Ein weiteres Bremer Original war „Jacobs“. Nicht in der heutigen Überseestadt, aber in der Bremer Neustadt gründete 1894 Carl Ronning seine Rösterei, die 1966 von „Melitta“ übernommen wurde. Kaffee – soweit das Bremer Auge reicht.

Der Name ist Programm: „Am Kaffee-Quartier“

Bremen gilt hierzulande als Kaffeestadt schlechthin. Fast jede zweite Bohne, die deutschlandweit aufgebrüht wird, wird noch heute über die bremischen Häfen eingeführt. Mit dem Namen „Am Kaffee-Quartier“ hat die Straße in der Bremer Überseestadt also einen sehr geschichtsträchtigen Titel verliehen bekommen.

Straßenschild am Kaffee-Quartier
Der Name ist Programm: „Am Kaffee-Quartier“ © WFB / Yvonne Paeßler

Eduscho am Kaffee Quartier

Eduard Schopf, Gründer der Firma „EduScho“, erwarb bereits 1928 die Kaffeerösterei H. Siedentopf. Einige Zeit später wurden EduScho und Siedentopf zusammengelegt und hatten – ebenso wie Klipps Kaffee – ihren Standort viele Jahrzehnte in der heutigen Überseestadt. Bis in die späten 1990er Jahre wurde in der Eduscho-Zentrale an der Lloydstraße 4, die auch an die Straße „Am Kaffee-Quartier“ angrenzt, Kaffee produziert. Nach der Einstellung des Kaffeegeschäfts, wurde der Umbau des Gebäudes beschlossen. 2005 begannen die Arbeiten und innerhalb von drei Jahren wurde aus dem ehemaligen EduScho-Gebäude das „Kaffee Quartier“ mit modernen Büroflächen auf rund 17.000 m² Fläche. 

Jacobs Kaffee… wunderbar

Und es finden sich noch mehr kaffeelastige Straßen in der Überseestadt Bremen, zum Beispiel die „Johann-Jacobs-Straße“.

Die „Johann-Jacobs-Straße“ ist eine Querstraße, die mittig den Hilde-Adolf-Park durchquert und auch „Am Kaffee-Quartier“ kreuzt. Der Namensgeber war kein geringerer als der Gründer einer Bremer Kaffeeröster-Dynastie, dem Unternehmen „Jacobs“. Da lohnt sich genauerer hinzuschauen, mit wem man es hier zu tun hat:

Johann Jacobs erblickte am 20. Mai 1869 das Licht der Welt. Als zweitgeborener Sohn einer Bremer Bauernfamilie konnte er den Hof nicht erben. Er entschied sich für einen kaufmännischen Beruf, was sich als goldrichtig entpuppte. Jacobs eröffnete einen Kolonialwarenladen und verkaufte vorrangig Kaffee und Tee. 1907 gründete er dann seine erste Kaffeerösterei, so gut lief das Geschäft. Im Sortiment hatte der Bremer zehn verschiedene Mischungen – für damalige Verhältnisse ein sehr breit gefächertes Angebot. Auch in Sachen Service war er Vorreiter: Er führte das Außer-Haus-Geschäft ein und lieferte meist via Fahrradbote an Einzelkunden und Großverbraucher im Bremer Umland. „Jacobs“ wuchs und wuchs. Johann Jacobs gewann 1927 den Norddeutschen Lloyd als seinen ersten globalen Großkunden. Auf den Passagierdampfern „Bremen“, „Europa“ und „Columbus“ trank man bald Jacobs Kaffee. 

Gemeinsam mit seinem Neffen Walther J. Jacobs, der 1929 in das Geschäft einstieg, gelang es schließlich, „Jacobs“ zu einem der bekanntesten Kaffeehersteller auszubauen. Am 21. Februar 1958 verstarb Johann Jacobs in Bremen.

Übrigens: Unter Walther J. Jacobs entstand der Slogan „Jacobs Kaffee… wunderbar“, der fast 40 Jahre Verwendung fand – solche Beständigkeit ist heute fast undenkbar.

Straßenschild Johann-Jacobs-St.
Mehr kaffeelastige Straßennamen in der Überseestadt Bremen, hier die „Johann-Jacobs-Straße" © WFB / Yvonne Paeßler

Bremen und der Kaffee…

Selbst ein eigenes Wort für den Verzehr des Heißgetränks kennt der Bremer. In der Hansestadt verabredet man sich nämlich zum „Kaffeesieren“. Irgendwie ist bei so einer engen Verbundenheit klar, dass noch längst nicht alle Bremer Geschichten rund um die Bohne erzählt sind.

Allein in der Überseestadt gibt es noch allerhand zu entdecken: unter anderem Teile des ehemaligen Kaffee HAG-Firmengeländes und Lloyd Caffee – eine der ältesten Privatröstereien in Bremen. Doch darüber berichten wir ein anderes Mal…

Das Kaffee HAG Gebäude in der Bremer Überseestadt
Das ehemalige Kaffee HAG-Firmengelände in der Bremer Überseestadt © Eberhardt Altstädt

Mehr über Bremen als Kaffeehauptstadt in unserem Artikel "Warum Bremen als Kaffeehauptstadt Deutschlands gilt".

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