Wer mit wem in der Überseestadt: Was Eduard Suling mit dem Speicher XI zu schaffen hatte

Straßen und ihre Namen

Strassenschild am Speicher XI in Bremen
© WFB / Yvonne Paeßler

Sie dienen vorrangig der Orientierung – aber auch der Erinnerung und dem Festhalten von Geschichte. Manche erklären sich von selbst, manche sind völlig unverständlich: Straßen und deren Namen. Die Überseestadt als neues Quartier bietet da viel Raum für neue Straßennamen. Wir wollen Licht ins Dunkel bringen und erklären, warum die Wege, Straßen und Plätze so heißen, wie sie nun einmal heißen. Schließlich verbinden sich in der Überseestadt Hafengeschichte und urbaner Stadtraum. Hier gibt es uralte (Hafen-) Straßen und erst kürzlich angelegte Wege. Wir gehen der Namensgebung der alten und neuen Straßen in der Überseestadt auf den Grund.

Eine Straße und ihr Star: Am Speicher XI

Der Speicher XI liegt an der nach ihm benannten Straße zwischen Europahafen sowie Holz- und Fabrikenhafen. Kein Wunder, dass die komplette Straße nach diesem Koloss benannt ist: Der Speicher XI ist mit 403 Metern das zweitlängste Gebäude Bremens – länger ist nur der U-Boot-Bunker Valentin mit 419 Metern. Doch der Speicher XI trumpft nicht nur mit seiner Größe auf, auch seine Geschichtsträchtigkeit kann sich sehen lassen. Die Bremer Bauinspektion machte sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts daran, den Komplex zu entwerfen und in der unmittelbaren Nähe zum Überseehafen zu errichten. Insgesamt vier Jahre dauerte der Bau. Genutzt wurden die Räume des Speichers seinerzeit zur Lagerung von Stückgut, vorwiegend Baumwolle.

Tradition trifft Moderne: Der Speicher XI und die Überseestadt Bremen

Bereits seit 1994 steht der Speicher XI nun schon aus hafengeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz. Er wurde von 2001 bis 2003 durch den Bremer Bauunternehmer Prof. Dr. Klaus Hübotter saniert. Und obwohl sich das Gebäude als Industriedenkmal in naher Zukunft keinen baulichen Veränderungen mehr unterziehen wird, hat es doch den Grundstein für die Weiterentwicklung eines ganzen Quartiers gelegt: Der Speicher XI gilt als „Keimzelle“ der Überseestadt. Er ist eines der ersten historischen Bauwerke im Quartier, dem eine neue Nutzung zugeführt wurde.

Und was macht man heute mit diesem Riesen?

Wo früher Hafenarbeiter schwer schufteten, tummeln sich jetzt eine Menge kreativer Köpfe. Heute findet man hier unter anderem das Hafenmuseum Speicher XI, die Hochschule für Künste Bremen, das Bremer Zentrum für Baukultur und das Infocenter Überseestadt. Auch Freunde des kulinarischen Genusses kommen bei einem Besuch „Am Speicher XI“ nicht zur kurz: im Restaurant „Port“.

Speicher XI in der Überseestadt Bremen
Im Speicher XI finden Sie das Infocenter und das Hafenmuseum. © WFB / Ariane Bohms

Früher war alles… Hafen – eine kleine Geschichtsstunde

Aber machen wir einen Schritt nach dem anderen: Wie kam der Speicher XI eigentlich an seinen heutigen Standort? Ein Ausflug in die Stadtgeschichte gibt Aufschluss über die Entstehung des Gebäudes und deren Verbindung zum Namensgeber der „Eduard-Suling-Straße“:

1887

Der Europahafen wurde flussabwärts des Stadtkerns gebaut, um den lukrativen Handel und Schiffsverkehr in die Stadt zu holen.

1888 

Nach dem Beitritt der Freien Hansestadt Bremen zum Zollverein, wurde der Europahafen zum Freihafen.

1908-1912 

Der Speicher XI wurde als Baumwollspeicher erbaut. Planung und Durchführung erfolgte durch die Bremer Bauinspektion in Verantwortung vom damaligen Baurat Eduard Suling. Nach seinen Plänen, die gemeinsam mit dem Architekten Nause entstanden, wurde das Gebäude errichtet. 

Eduard Suling – Baurat von Speicher XI und Bremer Urgestein

Wer ist dieser Mann, der Bremens zweitlängstes Gebäude erbaut hat? 

Eduard Suling (1856–1922) war Baumeister und Oberbaudirektor in Bremen. Der Sohn eines Schiffsmaklers studierte Bauwesen an der Technischen Hochschule Aachen und an der Berliner Bauakademie. Doch es zog ihn wieder in die Heimat und vor allem ans Wasser. Dabei übernahm er Aufgaben, die nicht von Pappe waren (noch eine Geschichtsstunde):

1883-1885 

Eduard Suling war an der Weserkorrektion beteiligt.

1893-1895 

Bei der großen Weserkorrektion hatte Suling sogar die Oberbauleitung inne.

Das Ziel war es, die Unterweser zu begradigen, sodass Seeschiffe mit bis zu fünf Metern Tiefgang auch bei Flut die Bremer Häfen in einem Durchgang erreichen konnten.

1900 

Er wurde Baurat und war somit für den Ausbau der Häfen in Bremen zuständig.

1914 

Eduard Suling wurde die Ehrendoktorwürde verliehen und er war außerordentliches Mitglied der preußischen Akademie des Bauwesens.

Strassenschild Eduard-Suling-Str.
© WFB / Yvonne Paeßler

Eine große Ehre: 1927 wurde die „Eduard-Suling-Straße“ nach dem hanseatischen Oberbaudirektor benannt

Sie ist eine der längsten Straßen in der Bremer Überseestadt: Die „Eduard-Suling-Straße“ führt einmal längs über die Landzunge entlang des Speicher XI, vorbei am Überseepark und endet beim Wendebecken mit Blick auf den denkmalgeschützten Molenturm. Ein kleiner Tipp für alle, die bis ans Ende der „Eduard-Suling-Straße“ gekommen sind: Der Anblick des Molenturms im Abendlicht ist wundervoll und kitschig zugleich.

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Informationen zur allgemeinen Entwicklung der Überseestadt und freien Bauflächen erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen [at] wfb-bremen.de und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel [at] wfb-bremen.de