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Prof. Dr. Klaus Hübotter: Ohne ihn wäre die Überseestadt heute nicht, was sie ist - und so manches Bremer Gebäude nicht mehr vorhanden.



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Ohne Klaus Hübotter würde es manche Bremer Bauwerke nicht geben. In der Überseestadt gab er mit der Restaurierung des Speicher XI den Anstoß für weitere Entwicklungen.


Der Springbrunnen im arkadisch anmutenden Garten der Villa Ichon plätschert fröhlich vor sich hin. Ein winziges Vögelchen saust im Tiefflug pfeilschnell an der dekorativen Fassade der Jugendstil-Villa vorbei und singt dabei ein exotisches Lied. Klaus Hübotter hält im Satz inne und überlegt: „Ist das eine Grasmücke?“ Nein, das Pfeifen und Tirilieren klingt doch irgendwie anders, findet der passionierte Ornithologe, der schon in seiner Jugend Vogelwart auf der Nordsee-Insel Scharhörn war. Klaus Hübotter ist ein Mann mit vielen Leidenschaften. Ein realistischer Visionär, der scheinbar Unmögliches anpackt und möglich macht. Das Bauen, die sichtbarste seiner Leidenschaften, hat das architektonische Gesicht Bremens entscheidend geprägt und verändert.


Schlafender Riese für 1,16 D-Mark

Den schlafenden Riesen, den Speicher XI in der Überseestadt, hat er aus dem Dornröschenschlaf erweckt – und damit vor dem weiteren Verfall und Abriss bewahrt. 120 Millionen D-Mark wurden für den Umbau des asbestverseuchten Riesenkomplexes veranschlagt, der 1912 von der Bremer Lagerhaus Gesellschaft in Betrieb genommen worden war. Hübotter schätzte die Kosten auf ein Drittel. Er erwarb das etwa 400 Meter lange Gebäude 2001 für 1,16 D-Mark mit der Auflage, es denkmalgerecht zu sanieren sowie um- und auszubauen.


Mit der Hochschule für Künste zog die Kreativität ein

Der Baukaufmann, der 1962 nach seinem Jurastudium in Hamburg, nach Bremen kam, schaffte das Kunststück, den selbst gesteckten Kostenrahmen von 20 Millionen Euro einzuhalten. Mit dem denkmalgerechten Um- und Ausbau des Speichers XI wurde Hübotter zum Vorreiter der rasanten Entwicklung in der Überseestadt. Heute schlägt in den weitläufigen Gebäude-Fluchten das kreative Herz der Bremer Hochschule für Künste, weitere Flächen werden gewerblich genutzt und vermietet. Der gebürtige Hannoveraner hat darüber hinaus das Hafenmuseum Speicher XI einrichten lassen, in dem die glanzvolle, maritime Historie der Hansestadt lebendig dokumentiert ist. Rustikalen, industriellen Charme strahlen die vis-à-vis liegende Energieleitzentrale, ein moderner Veranstaltungsort, und die Stauerei in der Cuxhavener Straße aus, die das Hafenrevuetheater und die Indoor-Minigolfanlage „Schwarzlichthof“ beherbergt. Die Staplerhalle, das so genannte BLG-Forum, ein akustisches Juwel, ist für Pultstar Marc Minkowski „das unglaublichste Opernhaus der Welt“.


„Zig Millionen“ besser in die Überseestadt investiert

Mit der Stadtplanung Bremens geht Hübotter mitunter hart ins Gericht: Seiner Meinung nach hätte Bremen besser einige stadtnahe Flächen nicht für gewerbliche Nutzung erschließen sollen und dafür die „zig Millionen“ besser in die riesengroßen Flächen der Überseestadt gesteckt, die immerhin drei Mal so groß sei wie die Hamburger Hafencity.

„Elegant gelöst“ hat Hü, wie ihn seine Freunde nennen, auch, quasi als Generalprobe für die „spröde Speicher-Angelegenheit“, die Sanierung und Renovierung des Konventhofes in Riga. Gebäude, die seit dem 14. Jahrhundert unter anderem als Speicher und Klöster genutzt wurden. Der promovierte Jurist, der als Honorar-Professor Architekturstudenten an der Hochschule Bremen in die Finessen der Bau-Finanzierung einweihte, ließ den Konventhof zum Drei-Sterne-Hotel umbauen, das Ende 1996 eingeweiht wurde.


Entscheidend bei der Revitalisierung des Stephaniviertels

Als „große Herausforderung“ bezeichnet Hübotter die Sanierung und den Umbau des Bamberger Hochhauses an der Faulenstraße. Die neuen Räume der Volkshochschule übergab er aber planmäßig im Sommer 2007. Seitdem tragen sie entscheidend zur Revitalisierung des Stephaniviertels bei. Die Volkshochschule hat das Hochhaus, auf dem nun wieder der Name des jüdischen Kaufmannes Julius Bamberger prangt, für zwanzig Jahre angemietet. Zum extrem niedrigen Preis von vier Euro pro Quadratmeter. „Das haben wir versprochen und das werden wir einhalten“, so Hübotter – trotz des nahezu unmöglich niedrigen Budgets. Die steinerne Hommage an den jüdischen Kaufmann Julius Bamberger, der verarmt im Exil starb, ist für den leidenschaftlichen Antifaschisten und Antimilitaristen, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert den Friedens- und Kulturpreis der Villa Ichon auslobt, auch eine Herzensangelegenheit. Genauso wie die Mithilfe bei der Herrichtung des U-Boot-Bunkers Farge für Johann Kresniks bildermächtige Version von Karl Kraus' „Die letzten Tage der Menschheit“ für das Bremer Theater.


Wie eine „Expedition zum Nordpol oder durch den Urwald“

Vor gut zehn Jahren erreichte Klaus Hübotter der Hilferuf von Peter Schulze, Vorsitzender des Vereins Freunde des Sendesaales und von 1998 bis 2001 Musikchef bei Radio Bremen. Das weit über die Grenzen Bremens hinaus bekannte Klangwunder war dem Abriss preisgegeben. Als das Projekt Bamberger abgeschlossen war, nahm er die Neunutzung des ehemaligen Radio Bremen-Geländes rund um den Sendesaal in Angriff. „Diese bisher wohl größte Herausforderung“, sei vergleichbar „mit einer unwägbaren Expedition zum Nordpol oder durch den Urwald“. 2011 zog die erste stationäre Reha-Klinik Bremens ein – für 7,50 Euro Miete pro Quadratmeter. „In einer neu erbauten Reha-Klinik wäre der Mietpreis dreimal so hoch. Wir wollen die günstigen Grundvoraussetzungen weitergeben“, so Hübotter. „Man traut uns das zu, weil uns das schon in der Vergangenheit gelungen ist“, betont er. „Um den hart kalkulierten Umbau zu bewerkstelligen, gelang es schließlich, die Residenz-Gruppe zu gewinnen und damit den geeignetsten Partner für die komplettierte Nutzung als Reha-Klinik.“

Der Sendesaal wurde nicht von den Umbau-Arbeiten auf dem Areal berührt. Mittlerweile klingt er wieder – und wie! Seit der Wiedereröffnung Anfang März 2009 sind hier viele renommierte Künstlerinnen und Künstler aufgetreten und haben auch ihre CDs produziert.

In Sichtweite zur Villa Ichon wohnt und arbeitet Klaus Hübotter mit Ausblick auf die Wallanlagen, die Kunsthalle Bremen und das Gerhard Marcks Haus.

„Du baust wie Du bist“, lautet das Credo des Visionärs und Humanisten. Vier von ihm in den Jahren 1980, 1989, 2000 und 2014 verfasste Bücher gleichen Titels, dokumentieren dieses Motto. Die Liste der von Hü in über 40 Jahren initiierten Bauten, viele von ihnen vom BDA (Bund Deutscher Architekten) prämiert, ließe sich fast unendlich fortsetzen.


Preisgekrönter Hü

Die großen, nicht zuletzt mäzenatischen Verdienste, die Hübotter sich um die Hansestadt erworben hat, wurden im Januar 2007 bei einem Festakt in der Oberen Rathaushalle mit der erstmalig vom Bremer Zentrum für Baukultur verliehenen Bremer „Auszeichnung für Baukultur“ gewürdigt.


Weitere Informationen zur Überseestadt Bremen, Ansiedlung und Vermarktung erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen@wfb-bremen.de, und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel@wfb-bremen.de