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Klipp, klar und ohne Schnickschnack



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Norddeutschen wird ja gerne mal eine gewisse Gelassenheit nachgesagt. Aufgeregt, gar aufdringlich scheinen sie nicht zu sein, diese Nordlichter. Und da verwundert es auch nicht allzu sehr, dass sie bei Namensgebungen „nicht lang schnacken“ und die Dinge beim Namen nennen. Bremer machen da keine Ausnahme – auch nicht bei der Benennung ihrer Straßen. Schon gar nicht derer in der Überseestadt, dem ehemaligen Hafenareal rechts der Weser. Aber was genau hat hier eine „Überseepromenade“ zu suchen, führt sie doch offensichtlich nicht nach Amerika? Und wo finden wir das Holz „Am Holzhafen“? 


Früher Frachter, heue Flaneure

Die Überseepromenade reicht bis zum letzten Zipfelchen der Überseestadt: Sie beginnt am Überseepark und endet am Molenturm. Auf den letzten Metern ist links und rechts (Weser-)Wasser. Flaniert man auf ihr Richtung Molenturm, passiert man die Neubauten im Quartier Hafenkante und sieht rechter Hand das Wendebecken. Blickt man nach links, fließt die Weser an einem vorbei und man kann rüber bis nach Woltmershausen sowie an den Weserstrand in Rablinghausen blicken. Da es hier viel zu sehen gibt, ist es von Vorteil, dass die Überseepromenade größtenteils Fußgängern und Fahrradfahrern vorenthalten ist.

Einzig bis nach Übersee lässt sich hier nicht schauen, aber früher fuhren entlang der heutigen Promenade die Schiffe nach Übersee – unter anderem aus dem Überseehafen, der sich hier einst befand und an den zumindest namentlich an dieser Stelle vieles erinnert.

Der Überseehafen war ein klassischer Stückguthafen. Mitte der 1960er Jahre kamen die Container in Mode, die Stückgutfracht sank und seine Ära endete in den 1980er Jahren. Neue Schiffe mit mehr Kapazität und Tiefgang wurden gebaut. Die innerstädtischen Bremer Häfen, die Lagerflächen und die Weser wurden zu eng, der Betrieb lag lahm.

In den 1990ern nahm darum der Plan Gestalt an, die Häfen für städtisches Leben und Gewerbe zurückzugewinnen. Im Jahr 2000 beschloss der Bremer Senat den Masterplan zur Umstrukturierung der alten Hafenreviere rechts der Weser. Er sah vor, auf dem Gebiet einen neuen Ortsteil entstehen zu lassen: die Überseestadt. Bis heute gründen alle Entwicklungen auf den Masterplan.


Obacht! Promenieren will gelernt sein

Eine ganze Wissenschaft rankt sich darum: Die Promenadologie beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Umwelt durch Promenieren. Verrückt!

Doch was ist eine Promenade denn überhaupt so ganz genau?

Als Promenade wird ein großzügig und aufwändig ausgebauter Fußgängerweg bezeichnet. Da die angelegten Promenaden vorrangig dem Lustwandeln dienen, haben sie eine stärkere gesellschaftliche als straßentypische Bedeutung: Sie schaffen Öffentlichkeit. Hier trifft man sich zum Flanieren. Das Motto: Sehen und Gesehen werden. Nicht zuletzt sind Promenaden stets auch ein Ort zur Kontaktaufnahme, dienten und dienen (?) – ein seriöser Heiratsmarkt unter Aufsicht quasi.

Fun Fact am Rande: Wirklich gesittet ging es im 18. und 19. Jahrhundert allerdings auch auf den Flaniermeilen nicht zu. Die „Promenadenmischung“ entstand dadurch, dass die Dienstboten beim Ausführen der herrschaftlichen Hunde deren Trieben ungehemmt ihren Lauf ließen…


Mächtig Holz vorm Hafen

Neben dem heute nicht mehr existierenden Überseehafen baute Bremen Ende des 19. Jahrhunderts den Europahafen und den Holz- und Fabrikenhafen. Letzterer wurde genau danach benannt, wofür er gebaut wurde und was man links und rechts der Kaje vorfand: Fabriken und Holzhandel. Die Holzhändler siedelten vor allem auf der Südseite des Hafens an. Und da verwundert es nicht, weshalb die Bremer die Straße südlich des Hafenbeckens „Am Holzhafen“ nannten. Klipp, klar und ohne Schnickschnack eben.

Noch heute gibt es Holzhandel auf der Südseite des Holz- und Fabrikenhandels. Neben Importunternehmen, sind hier zum Beispiel auch verarbeitende Betriebe ansässig. 


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