Überseestadt / Nachkriegszeit

Überseestadt Logo

zurück zur Navigation


 
1945
 
1945 bedeutete für Bremen keine Stunde Null: Es gab ein Fundament, auf dem man wieder aufbauen - und das Unrecht der vergangenen zwölf Jahre vergessen - wollte. Es gab immer noch die ungebrochene hanseatische Tradition des Handels und es gab einen Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD), bis 1933 Sozialsenator, der sagte: \"Erst der Hafen, dann die Stadt.\"

Der größte Glücksfall war der Status als amerikanisch besetzte Enklave: Dies stellte nicht nur - nach einigen Diskussionen mit den Briten - die Unabhängigkeit Bremens als eigenem Land wieder her. Weil die Amerikaner Bremen und Bremerhaven als Nachschubhäfen für ihre Truppen in Mitteleuropa nutzen wollten, hatten sie ein vitales Interesse daran, zerbombte Hafenanlagen zu reparieren und versenkte Schiffe aus den Becken zu heben.
 
1945 - 49
 
Von Mai bis August 1945 wurden die Häfen entmient, bereits im September löschte das erste Handelsschiff seine Waren. Systematisch wurden mit Unterstützung der Amerikaner Trümmer weggeräumt, Ruinen gesprengt und Bombentrichter aufgefüllt. Schuppen, Speicher, Kran- und Gleisanlagen wurden in mühsamer Kleinarbeit und unter Verwendung erhaltener Einzelteile repariert.

Der erste Liniendienst in die USA nahm im Juli 1946 seinen Dienst auf; inzwischen wurden, neben dem militärischen Nachschub, auch Lebensmittel, Kohle, Erz und Wolle umgeschlagen. Bereits zwei Jahre nach Kriegsende hatte man die Hälfte des Niveaus von 1938 erreicht. Angesichts des kleineren Wirtschaftsraume im Rücken Bremens und der fast totalen Zerstörung der Infrastruktur nicht nur vor Ort, sondern in ganz Deutschland ein großer Erfolg. Allerdings ohne deutsche Reeder: Was an Schiffen nicht versenkt war, wurde beschlagnahmt; die Beschränkung von 1949 auf maximal 7.200 BRT und 12 Knoten Höchstgeschwindigkeit war schon eine erhebliche Erweiterung, die trotzdem immer noch keinen wirtschaftlichen Betrieb erlaubte.
 
Fünfziger Jahre
 
Anfang der fünfziger Jahre war in den Häfen die erste Phase des Wiederaufbaus abgeschlossen. Die Auslastung bei Stück- und Massengütern war so gut, dass permanent weitere Speicher, Kräne und Kajen gebaut wurden.
 
1953
 
Hafensenator Hermann Apelt initiierte 1953 ein Investitionsprogramm, dass die folgenden zehn Jahre lang jeweils 20 Millionen Mark in die Häfen pumpte. Trotzdem waren am Ende der fünziger Jahre Europa- und Überseehafen an ihre natürliche Auslastungsgrenze gekommen. Schiffe mussten teilweise tagelang warten und wurden während der Liegezeit mehrmals verholt. Der Bau des Neustädter Hafens auf der linken Weserseite brachte die nötige Entlastung und modernere Anlagen. Nur eine Fehleinschätzung unterlief dem Senator: dass es eine natürliche Grenze für das Wachstum der Schiffsgrößen gebe - und deshalb die stadtbremischen Häfen auch langfristig Herzstück der Wirtschaft blieben. Die Containerisierung sollte die Attraktivität des Europa- und Überseehafens beenden.
 
1968
 
1968 nahm im Neustädter Hafen eine der ersten Container-Anlagen Europas den Betrieb auf und die Liegezeiten sanken auf ein Bruchteil. In der Folgezeit stiegen Kapazität und Tiefgang der Schiffe weiter an, bis diese schlicht für die Weser als auch für die Hafenbecken aus dem 19. Jahrhundert zu groß wurden. Trotzdem konnten die Häfen durch ständige Modernisierung weiter attraktiv gehalten werden, so durch den Bau von Roll-on-Roll-off (RoRo)-Terminals im Überseehafen 1967 und im Europahafen 1972. Letztlich aber sorgte die Kombination aus den - nach modernen Bedürfnissen - beengten Verhältnissen und dem Ende der Stückgutfracht ab den Achtzigern für sinkende Umsätze. Ein bauliches Gutachten über den baulichen Zustand des Überseehafens sorgte 1991 für seine sofortige Schließung. 1998 wurde das Becken mit 3,5 Mio. Kubikmetern Sand verfüllt.

Doch bis dahin wurden noch Millionen von Tonnen an Waren umgeschlagen und es gab kaum etwas, was nicht einmal seinen Bestimmungsort über die Hansestadt erreichte: Baumwolle. Wein, Kakao und Kaffee, Tabak, Holz, Erze, Kohle, Autos und vieles mehr bis hin zu ganzen Lokomotiven. Mehr als hundert Jahre schlug hier das Herz der bremischen Wirtschaft, fuhren Schiffe ein und aus, hoben und senkten sich die Kräne.


zurück zur Navigation

Seitenende